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Harninkontinenz

In der Schweiz leiden etwa 500'000 Menschen an Harninkontinenz. Obwohl dieses Krankheitsbild bei Frauen weit verbreitet ist, entscheiden sich viele Betroffene aus Scham für ein Leben im Verborgenen. In der Medizin wird die Inkontinenz aufgrund ihrer isolierenden Wirkung oft als „sozialer Krebs“ bezeichnet. Dabei ist Harninkontinenz kein unvermeidbares Schicksal des Alterns, sondern ein behandelbarer medizinischer Zustand .

Warum tritt Harninkontinenz auf?

Ein unwillkürlicher Urinverlust hängt meist mit einer Funktionsstörung der Beckenbodenmuskulatur oder des komplexen neuromodulatorischen Systems zusammen. Wir unterscheiden primär drei Formen:

  • Belastungsinkontinenz (SUI): Urinverlust tritt bei körperlicher Anstrengung wie Husten, Lachen, Niesen oder Sport auf. Ursächlich ist meist eine Schwächung des Beckenbodens durch Geburten, Übergewicht oder hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren .

  • Dranginkontinenz (UUI): Ein plötzlicher, übermächtiger Harndrang führt zu Urinverlust, bevor die Toilette erreicht wird. Dies ist oft auf eine Überaktivität des Blasenmuskels zurückzuführen .

  • Mischinkontinenz (MUI): Eine Kombination aus Belastungs- und Drangsymptomen .

Ganzheitliche Behandlungsmethoden

Der therapeutische Weg in der Schweiz folgt meist einem gestuften Schema, beginnend mit konservativen, nicht-invasiven Massnahmen :

  1. Lebensstiländerungen: Gewichtsreduktion (da jedes Kilo weniger den Druck auf den Beckenboden mindert), Anpassung der Trinkmenge und der Verzicht auf blasenreizende Stoffe wie Koffein oder Nikotin .

  2. Beckenbodentraining (PFMT): Gezielte Übungen zur Kräftigung der Muskulatur, oft unterstützt durch Biofeedback-Verfahren.

  3. Akupunktur und Elektroakupunktur: Als moderne Form der Neuromodulation gewinnt die Akupunktur international stark an Bedeutung. Hochwertige klinische Studien (u.a. veröffentlicht im Fachmagazin JAMA) belegen, dass Elektroakupunktur an spezifischen lumbosakralen Punkten den Urinverlust signifikant reduzieren kann. Durch sanfte elektrische Impulse werden die Nerven, welche die Blase und den Beckenboden steuern (insbesondere der Sakralnerv), reguliert und gestärkt.


Fallbeispiele aus unserer Praxis

Im vergangenen Jahr konnten wir in unserer Praxis Frauen mit sehr unterschiedlichen Krankheitsgeschichten helfen, ihre Lebensqualität zurückzugewinnen:

Fall 1: Refraktäre neurogene Inkontinenz bei einer älteren Patientin Eine 70-jährige, zierliche Patientin mit einer Vorgeschichte von Mammakarzinom litt seit Jahren an schwerer Dranginkontinenz und begleitenden chronischen Schmerzen. Weder Operationen noch Botox-Injektionen brachten zuvor den gewünschten Erfolg. Durch eine gezielte Akupunkturbehandlung zur sakralen Neuromodulation konnten sowohl der quälende Harndrang als auch die Schmerzsympomatik deutlich gelindert werden.

Fall 2: Klassische Belastungsinkontinenz und Gewichtsfaktor Eine 65-jährige Patientin mit Übergewicht litt unter ständigem Urinverlust beim Husten oder Niesen, was das tägliche Tragen von Vorlagen erforderlich machte. Nach einem Zyklus mit Elektroakupunktur in Kombination mit einer Beratung zur Lebensstilanpassung berichtete die Patientin über eine signifikante Besserung: Die Feuchtigkeit der Vorlagen nahm massiv ab und sie gewann ihre Sicherheit im Alltag zurück.


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